News vom 08.08.2010
Frauen wehren sich gegen Prostitutionsverbot
In Schweden gibt es ein Prostitutionsverbot und nun wehren sich die Frauen gegen dieses Verbot. Sie werfen der Regierung vor, dass das Gesetz das Sexgewerbe in den Untergrund getrieben hat.
Der Straßenstrich in der Malmskillnadsgatan in der Stockholmer Innenstadt war einst der Dreh- und Angelpunkt des schwedischen Rotlichtmilieus. Seitdem im Jahre 1999 durch eine Mehrheit der Sozialdemokraten, Grünen und Linken das Sexkaufverbot im schwedischen Reichstag verabschiedet wurde, herrscht hier mehr oder weniger tote Hose. Prostituierte sieht man nicht.
Bevor das Gesetz in Kraft tragt, waren Statistiken zufolge 730 Prostituierte auf schwedischen Straßen aktiv. Schätzungen zufolge sind es jetzt nur noch zwischen 300 und 430. Für die schwedische Justizkanzlerin Anna Skarhed sind diese Zahlen ein Beweis dafür, dass das Gesetz ein voller Erfolg war. Freiern droht durch das Gesetz bis zu sechs Monate Haft, während die Huren straffrei ausgehen. Es gibt sogar einen vom Parlament beauftragten Untersuchungsausschuss für Prostitution. Er brachte Anfang Juli diesen Jahres einen ca. 300 Seiten starken Bericht heraus, nachdem das Gesetz zwar erfolgreich ist, das Strafmaß aber dennoch weiter nach oben geschraubt werden müsse. Zwar ist die Straßenprostitution in der Tat zurück gegangen, aber was sich hinter verschlossenen Türen abspielt, oder gar im Internet, weiß niemand. Es ist auch nicht sicher, ob durch die Einführung des Gesetzes der Menschenhandel aus Russland eingedämmt werden konnte - das war früher in Schweden ein großes Problem.
In der Bevölkerung wird das Gesetz begrüßt, denn nach dem Bericht des Untersuchungsausschusses stehen mehr als 70 Prozent hinter der Kriminalisierung der Prostitution. Die Tendenz ist aber fallend und so regt sich langsam ein Widerstand. So hat beispielsweise Camilla Lindberg, die für die liberale Volkspartei im schwedischen Parlament sitzt, etwas getan, was sich in Schweden nur wenige trauen: sie fordert den Stopp der Kriminalisierung von Prostitution. Auch wenn sie sich deswegen viele Beschwimpfungen anhören muss, bleibt sie bei ihrer Meinung „In Schweden wird Prostitution mit Menschenhandel gleichgesetzt und behauptet, es gebe keine Frauen, die ihre Dienste freiwillig verkaufen. Dabei stimmt das nicht.“ Bleibt abzuwarten, was die Parlamentswahl im September bringt. Vielleicht bringt die liberal-konservative Koalition eine gesellschaftliche Erneuerung. Bereits 1999 hatte Premier Fredrik Reinfeldt gegen das Sexkaufverbot gestimmt - Bemühungen um das Gesetz zu kippen wurden aber bislang vermisst.



